وَمَآ أَرْسَلْنَـٰكَ إِلَّا رَحْمَةً لِّلْعَـٰلَمِينَ
Und Wir haben Dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt
Qur’an 21:107
Über das Leben des Propheten Muhammad, Frieden und Segen auf ihm, gibt es zahlreiche Überlieferungen. Seinen Familienmitgliedern und Gefährten ist es zu verdanken, dass wir Jahrhunderte später detailreiche Beschreibungen über ihn haben. Die älteste Darstellung über das Leben des Propheten Muhammads, Frieden und Segen seien auf ihm, ist die Sira, die Prophetenbiographie des Muhammad ibn Ishaq.
Muhammad ibn Abd-Allah, der zum Stamm der Quraisch und dem Klan der Haschim gehörte, wurde um 570 n. Chr. in der Handelsstadt Mekka geboren. Er wuchs in einer Umgebung auf, die sich in dieser Zeit im Umbruch befand. Von Geburt an Halbwaise, verliert er im Alter von 6 Jahren seine Mutter und wenig später seinen Großvater und wächst fortan unter der Obhut seines Onkels Abu Talib auf. Er durchlebt eine bescheidene Kindheit.
Chadidscha, seine erste und wesentlich ältere Ehefrau, heiratete er im Alter von 25 Jahren. Er ist als Kaufmann tätig. Auch zuvor, nämlich im Kindesalter, eröffnete sich ihm die Möglichkeit Reisen mit seinem Onkel Abu Talib bis zum Norden Syriens zu unternehmen. In dieser Reise berichtet die Prophetenbiographie von der Begegnung mit dem christlichen Mönch Bahira, der das Siegel der Prophetentums an ihm sah.
In den islamischen Quellen wird die vorislamische Periode auf der arabischen Halbinsel als Zeit der Unwissenheit beschrieben. Arabien verdankte seinen Reichtum dem Fernhandel, wozu im besonderen Maße die Weihrauchstraße, eine der bedeutendsten Handelsrouten der antiken Welt, diente. Neben Weihrauch und Myrrhe waren weitere Luxusgüter auf der Handelsroute zu finden, vor allem Gewürze, Seide, Porzellan, Edelhölzer und Sklaven, die aus Afrika, Indien und Südostasien an die umliegenden Gebiete des Mittelmeerraums gelangten. Bestimmend für die arabische Gesellschaft waren Brauchtum und Sitte des Nomadentums. Mekka war eine reiche Handelsstadt und Wallfahrtszentrum zugleich. Dies brachte wiederum Einfluss und wirtschaftliche Vorteile für die Stadt und ihre Bewohner. Die altarabische Religion war polytheistisch geprägt. Allein in Mekka verehrte man mehr als 100 verschiedene Gottheiten. Doch durch jüdische und christliche Stämme bestand Kontakt zu monotheistischen Religionen.
In diesem Umfeld zog es ihn, Frieden und Segen seien auf ihm, immer mehr zu Andachten in die Einsamkeit einer Berghöhle namens Hira, in der Umgebung Mekkas, wo ihm eines Nachts der Erzengel Gabriel erschien und ihm die ersten Qur’anverse offenbarte:
ٱقْرَأْ بِٱسْمِ رَبِّكَ ٱلَّذِى خَلَقَ خَلَقَ ٱلْإِنسَـٰنَ مِنْ عَلَقٍ ٱقْرَأْ وَرَبُّكَ ٱلْأَكْرَمُ ٱلَّذِى عَلَّمَ بِٱلْقَلَمِ عَلَّمَ ٱلْإِنسَـٰنَ مَا لَمْ يَعْلَمْ
Lies, im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat, den Menschen erschaffen hat aus einem Anhängsel. Lies, und dein Herr ist der Edelste, Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht wusste.
Qur’an 96:1-5
Nachdem er von der Berghöhle Hira zurückgekehrt war, berichtete er direkt seiner Frau Chadidscha von der Begegnung mit dem Engel. Chadidscha war der erste Mensch, der an seine göttliche Gesandtschaft glaubte und ihn auch dabei unterstützte. Sie wandte sich an ihren Vetter Waraqa ibn Naufal, der Gelehrter und Christ war, welcher ihr die Gesandtschaft Muhammads, Frieden und Segen seien auf ihm, bestätigte.
Im Alter von 40 Jahren verkündete Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, Gottes Wort zunächst im Familienkreis und später auch unter seinen Stammesgenossen. Muhammad verkündet den Glauben an den einen Gott, wie er bereits von Moses und Jesus verkündet wurde. Das Kommen Muhammads, Frieden und Segen seien auf ihm, ist sowohl in der Thora als auch in der Bibel (Johannes, 15, 23-27) angekündigt worden.
Die Kaba, das Gotteshaus in Mekka
Die Gemeinde wuchs im Geheimen immer weiter und wurde den Mekkanern bald ein Dorn im Auge. Muhammad predigte die Lehre vom einen Gott, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und die Gleichbehandlung der Sklaven. Die führenden Mekkaner sahen in ihm eine Gefahr für ihren Reichtum, ihre Stellung in der Stadt und ihr Ansehen auf der gesamten arabischen Halbinsel Sie begannen die Muslime vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Bis zur Auswanderung nach Medina waren Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, und die erste Generation der Muslime den Schikanen der Mekkaner ausgesetzt. Die Hidschra (Auswanderung) im Jahre 622 war eine Notwendigkeit geworden und läutete zugleich eine neue Epoche ein. Die steigende Bedrohung durch die Stammesgenossen Quraisch machte die Lage der Muslime in Mekka unhaltbar. Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, verlor in kurzen Abständen zunächst seine Frau Chadidscha und wenig später seinen Onkel Abu Talib, die für ihn wichtige Stützen in Mekka waren. Die Quraisch gingen soweit Muhammad, Frieden und Segen auf ihm, ermorden zu wollen. Mit Allahs Schutz konnte er Mekka rechtzeitig verlassen und wanderte in die Oase Yathrib aus. In Yathrib angekommen, welche von nun an Medina al Munawara (die erleuchtete Stadt des Propheten) genannt wird, entsteht eine neue Lage für den Propheten und die Muslime.
Die ersten Jahre in Medina galten dem Aufbau einer neuen Gemeinschaft. Unter Einbindung aller Sippschaften und Religionen brachte er die alte und die neue Gemeinschaft, die “Auswanderer” und die “Helfer” (Einwohner Medinas) durch einen Verbrüderungsakt zusammen. Die Sprache und die Inhalte der Offenbarungen bezogen sich nun vermehrt auf praktische gesellschaftliche Lebensinhalte und Bedürfnisse. Nichtsdestotrotz waren die Muslime immer noch den Anfeindungen der Mekkaner ausgesetzt. Es dauerte sechs Jahre bis endlich Frieden geschlossen werden konnte.
لَقَدْ جَآءَكُمْ رَسُولٌ مِّنْ أَنفُسِكُمْ عَزِيزٌ عَلَيْهِ مَا عَنِتُّمْ حَرِيصٌ عَلَيْكُم بِٱلْمُؤْمِنِينَ رَءُوفٌ رَّحِيمٌ
Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, (er ist) eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig.
Qur’an 9:128
Im Jahre 628 n.Chr. gelang es einen dauerhaften Frieden mit den Mekkanern zu schließen. Sie konnten nicht umhin inzwischen die Größe und den Einfluss der Muslime anzuerkennen, denn die Muslime hatten durch ihre einfache, revolutionäre und humanitäre Botschaft des Islam immer mehr Anhänger unter den vormals verfeindeten Stämmen auf der arabischen Halbinsel gewonnen. So einigte man sich, Frieden zu schließen und den Muslimen Zugang zu den heiligen Stätten von Mekka für eine Pilgerfahrt zu gewähren. Es dauerte noch weitere anderthalb Jahre, bis die Muslime endlich wieder nach Mekka zurückkehren konnten. Die Mekkaner hatten den Friedensvertrag gebrochen und so zogen die Muslime nach Mekka. Schließlich öffnete sich die Stadt im Jahre 630 n. Chr. friedlich. Muhammad sprach eine Generalamnestie aus, niemand hatte mehr etwas zu befürchten.
Nach der Pilgerfahrt kehrte der Prophet, Frieden und Segen seien auf ihm, nach Medina zurück. Der Islam fand immer mehr Anhänger, auch über die arabische Halbinsel hinaus. Muhammads Rede auf der Pilgerfahrt nach Mekka im Jahre 632 n. Chr. und der Vers deuteten sein baldiges Ableben an.
ٱلْيَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِى
Heute habe ich euch eure Religion vervollkommnet und meine Gnade an euch vollendet…
Qur’an 5:3
Er, Frieden und Segen seien auf ihm, erkrankte und erholte sich hiervon nicht mehr. Er starb im Jahre 632 n. Chr. im Schoße seiner Frau Aischa. Die Muslime ernannten seinen engsten Gefährten Abu Bakr als seinen Nachfolger, um die Gemeinschaft zu leiten.
Bis heute ist der Prophet, Frieden und Segen seien auf ihm, im Bewusstsein eines jeden Muslims lebendig. Bei seinen Feinden und Freunden war er stets als Sadiq Al-Amin, der Ehrliche, Vertrauenswürdige und Zuverlässige bekannt, was auch Grund war, dass viele Mekkaner bei Reisen ihr Hab und Gut bei ihm aufbewahrten; Und dies zur gleichen Zeiten, als er in Mekka den Beschimpfungen, Demütigungen und der körperlichen Gewalt seines Stammes ausgesetzt war Verwunderlich scheint dies nicht zu sein, denn man kann dieses Phänomen in den Geschichten der vorangegangenen Propheten wiederfinden.
Trotz dieser Anfeindungen betete er, Frieden und Segen seien auf ihm, stets für die Menschheit und weinte um das Schicksal derer, die er nicht erreichte.
وَإِنَّكَ لَعَلَىٰ خُلُقٍ عَظِيمٍ
Und Du bist wahrlich von großartiger Wesensart.
Qur’an 68:4
Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, ist nicht nur eine Person des 7. Jahrhunderts, sondern ein zeitloses Beispiel für Muslime und Andersgläubige weltweit. Mit seinem inspirierenden Leben beschäftigten sich viele Denker in der Geschichte, wie beispielsweise auch Johann W. von Goethe.
Er fungierte als Mensch, Familienvater, Ehemann, Prophet und Staatsmann. Muslime weltweit lieben und ehren ihn. Sein Wert für die Weltgemeinschaft ist unermesslich. Sein Leben liefert uns täglich unzählige Beispiel, aus denen wir Leitung schöpfen können: im Umgang mit seinen Gefährten, seiner Familie, Kinder, Waisen, Armen, mit der Natur, Tieren usw. Immer mit einem lächelnden Gesicht sorgte er dafür, dass die Menschen sich gut und nicht schlecht fühlten. Auch bei Fehltritten war er sanft und milde. Sein Charakter ist vollkommen und deshalb ein Vorbild für jeden, der seinen eigenen Charakter verbessern möchte.
“Ich wurde gesandt, um Charakter und Benehmen (der Menschen) vollkommen zu machen.”
(Muwatta, Imam Malik)
Im Qur’an wird er als „Siegel der Propheten“ beschrieben, der in einer langen Reihe von Propheten steht. Der erste Prophet war Adam, Frieden sei mit ihm, der zugleich der erste Mensch war. Als Höhepunkt schließt Mohammed, Frieden und Segen seien auf ihm, mit seiner Gesandtschaft die Reihe der Propheten ab. Aus dem Hadith und der Sira-Literatur schöpfen wir die Lebenspraxis, arab. Sunna, des Propheten.
وَلَـٰكِن رَّسُولَ ٱللَّهِ وَخَاتَمَ ٱلنَّبِيِّـۧنَ ۗ وَكَانَ ٱللَّهُ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمًۭا
[…] Er ist vielmehr der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten. Gott weiß über alles Bescheid.
Qur’an 33:40
Nach Michael Hart, einem amerikanischen Historiker, verdient Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, in seiner Rangliste der 100 einflussreichsten Personen der Weltgeschichte aufgrund seiner erfolgreichen Führungsposition der Gemeinde, als Staatsmann und Prophet, welche es davor und danach nie wieder in solcher Form in der Geschichte der Menschheit gegeben hat, Platz eins.
Je mehr man über ihn, Frieden und Segen seien auf ihm, lernt, desto mehr liebt und respektiert man ihn. Ihm zu ehren wurden und werden unzählige Lieder und Gedichte verfasst. Eines der bekanntesten Gedichte weltweit ist die Burdah, das Mantelgedicht, welches von Imam al Busiri im 13. Jahrhundert verfasst wurde.
Die islamische Welt überspannt heute den halben Globus und reicht von Afrika bis nach Südostasien. Mehr als 1,6 Milliarde Frauen und Männer berufen sich auf den Qur’an, den Propheten Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm, und einen Gott, den sie in der Botschaft Moses und Jesus, ungeachtet aller Konflikte und aller Unkenntnis mit anderen Frauen und Männern teilen.
Die Prophetenmoschee in Medinah. Unter der grünen Kuppel befindet sich das Grab des Propheten, Frieden und Segen seien auf Ihm.