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Der Koran

Der Koran – die heilige Schrift des Islams

Der Koran, im arabischen Qur’an (القرآن), ist Allahs geoffenbartes Wort, das dem Propheten Muhammad (s - Friede und Segen auf ihm) in der Zeit zwischen 610 bis 633 n. Chr. nach und nach offenbart wurde. Qur‘an leitet sich von dem Verb qara’a ab, das mehrere Bedeutungen hat: lesen, rezitieren, studieren, erforschen. Alle diese Wortbedeutungen kennzeichnen die vielfältige Beschäftigung der gläubigen Muslime mit ihrer heiligen Schrift. In dieser Offenbarung finden die Gläubigen die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Ermahnung und Rechtleitung, Gnade, Wahrheit und Licht. Offenbart wurde die göttliche Botschaft dem Propheten (s) durch den Engel Gabriel und durch Eingebung.

Der Koran wurde sowohl mündlich als auch schriftlich überliefert. Die Gefährten und Gefährtinnen des Propheten lernten die einzelnen Verse oder größeren Abschnitte mit größter Sorgfalt und Genauigkeit auswendig, sobald sie ihnen zur Kenntnis gebracht wurden. Gleichzeitig diktierte der Prophet, der selbst nicht schreiben und lesen konnte, Schreibern nicht nur Text, sondern bestimmte auch die Stelle, wo er eingefügt werden sollte.

Die einzelnen Textteile wurden auf verschiedenen Materialien aufgeschrieben, deren Sammlung und Kodifizierung ca. 20 Jahre nach dem Tod des Propheten (s) vorgenommen und überall in den islamischen Provinzen verteilt wurde, um sicherzustellen, dass keine Veränderungen am ursprünglichen Wortlaut vorgenommen wurden. Bis heute, das bestätigt die wissenschaftliche Forschung auch von Nicht-Muslimen, gibt es bis auf minimale Unterschiede in der Lesart, keine Abweichung vom Ursprungstext.

Eingeteilt ist der Koran ist in 114 Suren (Kapitel). Obwohl die Suren nicht chronologisch nach der Abfolge der Offenbarung angeordnet sind, ist eine zeitliche Einordnung zumindest teilweise möglich, wenn der Anlass für die Offenbarung bekannt ist. Eine der frühesten islam-theologischen Wissenschaften ist die Wissenschaft der Offenbarungsanlässe (Asbabu-l-nusul), die sich auf die Prophetengeschichte, die Berichte über die Aussprüche und Taten des Propheten (Sunna und Hadith), aber auch Berichte von Zeitzeugen stützt.

Die Islamische Theologie hat die Aussagen des Korans immer vor dem historischen Hintergrund verstanden und ausgelegt. So erklären sich scheinbar widersprüchliche Aussagendes Korans beispielsweise zum Thema Umgang mit Andersgläubigen mit der Lage der Muslime in Friedenszeiten und Zeiten, in denen die erste muslimische Gemeinschaft sich gegen die existenzbedrohenden Angriffe der Feinde des Islams verteidigen musste. In der ersten Zeit der Offenbarung ist Gewaltanwendung etwa zur Ausbreitung des Islams ausdrücklich verboten („Es gibt keinen Zwang in der Religion“ Sure 2:256). Erst nach der Auswanderung nach Medina, als sich eine erste Form eines islamischen Stadtstaates gebildet hat, wird den Muslimen in Sure 9 der Kampf gegen die Führer der Ungläubigen geboten, denn ….“sie haben euch zuerst angegriffen!“ (Sure 9:13) Dass es sich hier nicht um eine generelle Aufforderung handelt, alle Ungläubigen unterschiedslos zu bekämpfen, zeigt Vers 6 der gleichen Sure, in dem es heißt: „Wenn ein Götzendiener bei dir Zuflucht sucht, so gewähre ihm Zuflucht“ (Sure 9:6). Die Aufgabe der Theologie ist es, die überzeitliche Haltung Gottes zu verstehen und zu vermitteln, nämlich Frieden zu bewahren oder wiederherzustellen, wenn er bedroht ist, was in unterschiedlichen Situationen zu unterschiedlichen Aussagen führt. Ein isoliertes Herausgreifen einzelner Verse, wie es häufig von muslimischen Fundamentalisten und Gegnern des Islams gleichermaßen praktiziert wird, führt immer zu Verzerrungen und falschen Schlussfolgerungen.

Zusammengefasst geht es im Koran um zwei große Themenkreise:

- Frieden und Glück der Seele durch die Verbindung zu Gott und

- Frieden und Glück durch den rechten Umgang mit den Mitmenschen.[E1]

Den größeren Teil der Offenbarungen kann man der mekkanischen Zeit zuordnen. Hier werden die Grundlagen der Religion gelegt: die Existenz und Einheit Gottes, Verantwortung des Einzelnen, Leben nach dem Tod und Vergeltung von Gut und Böse.

In diese Zeit fällt auch ein großer Teil der Prophetengeschichten, die am Beispiel der biblischen, aber auch einiger anderer Propheten grundlegende Menschheitserfahrungen in der Beziehung zwischen Mensch und Gott thematisieren, die den Gläubigen aller Zeiten als Orientierungshilfe gedient haben.

Nach der Auswanderung nach Medina setzt der Koran den Rahmen für das Leben in der Gemeinschaft (Mann und Frau, Familie, Erbrecht, Umgang mit Nachbarn, aber auch mit Andersgläubigen), wirtschaftliche Regelungen (Kaufen, Verkaufen, Zinsverbot etc.) und Staatsrecht (Staatsführung, Gerichtsbarkeit, Verteidigung).

Kein anderes Buch hat eine Sprache so beeinflusst und geprägt wie der Koran die arabische Sprache – bis heute. Die Sprache ist zugleich poetisch und kraftvoll und hat offensichtlich eine große Wirkung auf Menschen, die des Arabischen mächtig sind.

Der Koran liest sich nicht wie ein Gesetzbuch, in dem Gesetz an Gesetz aneinandergereiht ist. Die Argumentation ist vielmehr erklärend und will überzeugen. Sie fördert Lernen, Forschen und Wissen. So fordert er immer wieder dazu auf, Gottes Wirken in der Natur zu beobachten, darüber nachzudenken und Schlüsse daraus zu ziehen. Diese Eigenschaft des Korans hat einen gewaltigen wissenschaftlichen und kulturellen Aufschwung befördert.

Man kann den Koran wie eine Sammlung von Predigten lesen, wo Aussagen und Lehren sich wiederholen, aber immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen aufgegriffen werden. Das gab den ersten Muslimen und gibt dem Leser heute Zeit, Dinge richtig einzuordnen, zu verstehen und sich allmählich anzueignen.

Da sich der Koran an alle Menschen richtet, sind Übersetzungen möglich und nötig. Da aber keine Übersetzung die unterschiedliche, tiefe Bedeutung wiedergeben kann, die die arabischen Begriffe gleichzeitig oder in unterschiedlichen Zusammenhängen annehmen können, kann es sich bei einer Übersetzung immer nur um eine Annäherung an das arabische Original handeln. Es empfiehlt sich, wenn möglich, mehrere Übersetzungen und/oder verschiedene Interpretationen parallel zu lesen, um einen Eindruck von der Bedeutungsvielfalt des Originals zu bekommen.

Interpretationen sind möglich und nötig - auch für Menschen, deren Muttersprache Arabisch ist. Allerdings kann eine begründete Aussage nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen: Zuallererst natürlich die Beherrschung der arabischen Sprache, und zwar nicht nur der modernen Sprache, sondern auch der Sprache der Offenbarungszeit. Die Grammatik hat sich nicht verändert, aber es gibt Begriffe, Bilder und Gleichnisse, die nur vor dem historischen Hintergrund zu verstehen sind. Deshalb ist eine weitere Voraussetzung die Kenntnis der altarabischen Kultur und Gesellschaftsstruktur der Offenbarungszeit (tarīḫ al Islam). Weiterhin sind Voraussetzung die bereits oben genannten Kenntnisse der Offenbarungsanlässe, der Tradition des Propheten Mohammad (s) und des islamischen Rechts. So wird niemand den Koran richtig verstehen und interpretieren können ohne die innere Bereitschaft, die Worte Gottes aufzunehmen und mit offenem Verstand und offenem Herzen verstehen zu wollen.

Aber selbst, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird es niemals eine endgültige Erklärung der Verse geben. Jede Erklärung ist geprägt von der Person des Exegeten/der Exegetin, des kulturellen Umfelds und des historischen Hintergrunds, vor dem die Gelehrten sprechen. Deshalb findet man häufig am Ende einer Erklärung, einer Exegese, die Worte:

Allahu aalam – Allah weiß es besser!

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